• Geschrieben am 19. Juli 2010 von Winni

    Am letzten Samstag fanden in Köln wieder die “Kölner Lichter” statt. Das “Kölner Lichter”-Feuerwerk ist eines der größten musiksynchronen Feuerwerke Europas. Da ich dieses Jahr endlich mal wieder Zeit hatte mir das Spektakel anzuschauen, hab ich direkt auch Stativ und Kamera eingepackt um ein paar Fotos zu machen (Leider war mein Standort nicht ideal, so das die Fotos eher mittelmaessig geworden sind.) Dennoch fand ich diesen Anlass genau richtig um mal einen kleinen Artikel zum Thema Feuerwerk zu verfassen.

    Es gibt keine universelle Anleitung
    Feuerwerke sind einfach schwierig zu fotografieren. Es gibt keine universelle Lösung, um jedes Feuerwerk perfekt zu fotografieren. Dennoch stehen die Chancen gut, dass man ein paar schöne Fotos schiesst, wenn man ein paar Grundsätzliche Tipps berücksichtigt.

    Die Kamera
    Grundsätzlich kann man mit jeder Kamera Feuerwerk fotografieren. Allerdings hat man mit einer Kompaktkamera nur eine sehr geringe Chance ein schönes Foto zu machen. Die Gründe dafür liegen zum einen in der Auslöseverzögerung, als auch in der Tatsache, dass man zu wenig manuelle Einstellmöglichkeiten hat. Allein schon das man bei den meisten Kompaktkameras den Autofokus nicht deaktivieren kann ist ein riesen Nachteil. Da man beim Feuerwerk nur den Bruchteil einer Sekunde Zeit hat um den Auslöser zu betätigen und den richtigen Moment zu treffen, ist der Autofokus einfach nur störend- denn er hat keine Chance schnell genug scharf zu stellen (da es zu dunkel ist und das eigentliche Motiv sich zu schnell bewegt und auch schnell wieder verschwindet). Auch kann man nur bei sehr wenigen Kompaktkameras eine Belichtungszeit von mehreren Sekunden einstellen- was für eine Feuerwerkaufnahme sehr wichtig ist, damit man die volle “Blüte” des Leuchtkörpers aufnehmen kann. Um es kurz zu machen… ich empfehle eine (D)SLR um Feuerwerk zu fotografieren.

    Stativ
    Ohne Stativ geht garnichts. Ein 3-Bein Stativ ist für Feuerwerksaufnahmen essentiell. Bei Feuerwerksaufnahmen reden wir von Belichtungszeiten jenseits der 1 Sekunden-Marke. Dabei die Kamera verwacklungsfrei zu halten ist unmöglich. Daher empfehle ich ein gutes und stabiles Stativ (am besten mit 3-Wege Kopf) das auch für das Gewicht der Kamera ausgelegt ist. Nicht selten sieht man Amateur-Fotografen mit DSLRs und schweren Objektiven dran, die dann die Kamera auf ein Stativ der Marke “Superbilliges Plastikteil” setzen. In den meisten Fällen hält das Stativ zwar, aber von stabilem Stand kann hier keine Rede sein. Ein leichter Windstoss und das Stativ fängt an zu schwingen und zu wackeln- im schlimmsten Fall kippt es sogar um. Das Ergebnis eines solcher Unterfangen sind dann wieder verwackelte Bilder und die Frage im Hinterkopf, was man denn falsch gemacht habe. Ich rate daher jedem meiner Leser: Investiert lieber ein paar Euro mehr in ein gutes Stativ und achtet besonders darauf, dass das Stativ für das Gewicht eurer Kamera (mit Objektiv und evtl. Batteriegriff oder dergl.) ausgelegt ist.

    Objektiv
    Es ist schwierig zu sagen welches Objektiv am besten für Feuerwerksaufnahmen geeignet ist. Von einem Ultraweitwinkel rate ich ab, ausser man hat die Möglichkeit direkt vor dem Ort zu wählen, von dem das Feuerwerk abgefeuert wird (was zumindest bei den “Kölner Lichtern” für Normalsterbliche nicht möglich ist). In der Regel benutze ich einen Standardzoom (oft auch “Immerdrauf” genannt). Mein Canon EF 24-70mm f/2.8L USM bietet sich dafür sehr gut an. Man hat sowohl die Möglichkeit etwas reinzuzoomen, kann dank des leichten Weitwinkels aber auch einen größeren Blickwinkel abdecken. Ich habs zwar noch nie ausprobierte, denke aber das ein Telezoom eher ungeeignet ist (ausser man ist extrem weit vom Ort des Geschehens entfernt). Wie ihr seht kommt es sehr auf den Standort an, welches Objektiv man nutzt. Wenn ihr die Möglichkeit habt, probiert tagsüber schonmal aus, mit welchem Objektiv ihr die besten Chancen haben werdet ein tolles Foto zu machen. In jedem Fall solltet ihr lieber eine kleine Brennweite einstellen. Bei den hochauflösenden Kameras heute, ist es kein Problem wenn man so ein Foto dann nachträglich etwas zusammen “cropt”. Ihr könnt besser etwas zuviel im Bild haben als das ihr nachher nur eine halbe Explosion im Sucher habt.

    Fernauslöser (Optional)
    Ein Fernauslöser ist kein Muss, aber auf alle Fälle ein “nice to have”. Ich selbst besitze den Canon RC-6 Infrarot-Fernauslöser und die Phottix TR-90 Kabelfernbedienung. Letztere ist für Feuerwerke besser geeignet. Da sich der IR-Sensor der Kamera neben dem Objektiv auf der Frontseite befindet, ist es äusserst umständlich die Kamera auszulösen wenn man dahinter steht. Mit der TR-90 hat man viel bessere Kontrolle und sieht ausserdem auf dem eingebauten Display direkt, wie lange man schon belichtet hat.Durch die Einrastfunktion des Auslösers ist es ausserdem auch kein Problem wenn man vor dem eigentlichen Feuerwerk schon mal ‘ne schöne Langzeitaufnahmen machen will. Ein weiterer Vorteil einer Fernbedienung liegt darin, dass man die Kamera zum auslösen nicht berühren muss (das trifft sowohl auf Kabel- als auch auf IR-Fernbedienungen zu). Durch das Berühren der Kamera beim auslösen kann man evtl. ungeschickt an die Kamera stossen, was zu verwacklungen führen kann. Ich möchte eine Fernbedienung auf keinen Fall missen müssen.

    Kölner Lichter 2010 - 30 Sekunden Langzeitbelichtung 1 Std. vor dem eigentlichen Feuerwerk


    Die Kamera einstellen

    Da ein Feuerwerk recht unberechenbar ist (was Position, Höhe, etc. angeht) ist es Ratsam, die Kamera schon vor dem Feuerwerk weitesgehend einzustellen. Wichtig ist hier, dass ihr so gut wie alle automatischen Funktionen abschaltet. Falls eure Kamera einen manuellen Langzeilbelichtungs-Modus (bei Canon durch “bulb” oder “b” gekennzeichnet), stellt eure Kamera in diesen Modus. Besitzt eure Kamera keine solche Funktion wechselt ihr in den manuellen Modus (oft durch “m” oder “man” gekennzeichnet). Für den “bulb”-Modus ist ein Fernauslöser perfekt geeignet. Je nach Art der Fernbedienung hält man den Auslöser dann einfach gedrückt (z. B. beim TR-90) oder sendet ein Start- und am Ende der Belichtung ein Endsignal (bei IR-Fernbedienungen der Fall).

    Als Blendeneinstellung solltet ihr eine möglichst kleine Blende wählen. Ich persönlich nehme bei Feuerwerken eine Blende zw. 12 und 16. Damit ist nicht nur ausreichend Schärfentiefe gewährleistet, man stellt auch sicher, dass nicht zu schnell zu viel Licht auf den Sensor fällt. Auch wenn es draussen Dunkel ist, dürfen wir nicht vergessen das die Feuerwerksexplosionen innerhalb kürzester Zeit viel Licht abstrahlen. Wählen wir eine zu offene Blende, sehen die Feuerwerkskörper evtl. überstrahlt aus.

    Was die ISO Geschwindigkeit angeht, rate ich dazu den niedrigsten Wert einzustellen, der von eurer Kamera unterstützt wird (i. d. R. liegt der irgendwo zw. 50 und 200, je nach Model). Hohe Sensorempfindlichkeit führt schnell zu Rauschen, was gerade bei Nachtaufnahmen sehr unangenehm auffällt. Ausserdem empfehle ich die Kamera vor dem Feuerwerk nicht zu ausgibig zu nutzen, da dadurch der Sensor warm wird, was später bei den Langzeitaufnahmen ebenfalls wieder durch Rauschen auffallen wird.

    Das Objektiv solltet ihr in soweit vorbereiten, dass ihr schonmal die Brennweite einstellt die ihr für am sinnvollsten haltet. Was den Fokus angeht, hört man oft, dass man einfach auf “Unendlich” stellen soll. Das halte ich persönlich für nicht sinnvoll. Klar hat man durch die kleine Blende eine hohe Schärfentiefe, aber dennoch ist es ratsam den Fokus so genau wie möglich einzustellen. Wenn ihr ungefähr wisst wo das Feuerwerk explodieren wird, sucht euch einen Punkt der auf gleicher Höhe ist und nutzt den Autofokus zum Vor-Fokusieren. Danach schaltet ihr den Autofokus ab und aktiviert die manuelle Fokusierung. Wenn dann die ersten Feuerwerkskörper in der Luft sind, schaut schnell durch den Sucher und fokusiert evlt noch etwas nach. Falls eure Kamera einen Live-View Modus hat, nutzt auf jeden Fall diese Funktion zum nachfokusieren. Dadurch das ihr im Live-View Modus ins Bild zoomen könnt, habt ihr die beste Vorschau ob der Fokus sitzt oder nicht. Wenn ihr diese Technik befolgt, werdet ihr die besten Ergebnisse erzielen.

    Wenn eure Kamera im RAW-Format aufnehmen kann, aktiviert diesen Modus. Durch das RAW-Format habt ihr später bei der Nachbearbeitung der Bilder viel mehr Möglichkeiten evtl. zu dunkle Belichtungen noch zu retten oder den Weissabgleich anzupassen.

    Feuerwerk belichten
    Ich mag mich wiederholen, aber man kann es eigentlich nicht oft genug sagen… es ist nicht einfach Feuerwerk zu fotografieren. Das wohl schwierigste daran ist die richtige Belichtungszeit. Denn einerseits muss man im richtigen Augenblick den Auslöser betätigen, was aber garnicht so einfach ist, wenn man nicht genau weiss wann die Rakete abgefeuert wird. Andererseits muss man auch wissen wie lange man belichten soll, was allerdings genau so schwierig vorherzusagen ist, da man nur schwer sagen kann was für eine Art von Feuerwerkskörper gerade hochsteigt. Dennoch gibt es ein paar Grundregeln die man befolgen kann.

    Wenn ihr gute Sicht habt, dann seht ihr den Feuerwerkskörper höchstwahrscheinlich aufsteigen. Das ist ein günstiger Ausgeblick den Auslöser zu betätigen. Je nach Größe der Rakete wird sie 1-2 Sekunden bis zur Explosion benötigen und dann für 2-5 Sekunden in der Luft leuchten. I. d. R. orientiere ich mich etwas an den Raketen die bereits gezündet worden sind. Ist gerade eine extrem grosse und helle Rakete gezündet worden, besteht die Chance das eine 2. dieses Typs hinterher kommt. In einem solchen Fall löse ich erst aus, wenn die Rakete schon ziemlich hoch am Himmel ist und belichte dann ca. 2-5 Sekunden (je nachdem wie lange das Feuerwerk leuchtet). Ich versuche immer 2-3 Sekunden nach der Explosion auf den Sensor zu bannen. Belichtet man länger hat man meist wackelige Fäden vom Feuerwerk mit im Bild. Daher nicht zu lange belichten. Wenn ihr denkt das ein eher “kleiner” Feuerwerkskörper hochsteigt, dann löst ruhig schon aus, nachdem die Rakete gestartet wurde. So bekommt ihr etwas Bewegung ins Bild. Hier solltet ihr auch so lange belichten bis die Explosion ca. 2-3 vorbei ist.

    Wenn ihr eine digitale SLR besitzt habt ihr natürlich den Vorteil, dass ihr direkt auf dem Display kontrollieren könnt. Nutzt dieses Feature bei den ersten 3-4 Aufnahmen, damit ihr ein Gefühl dafür bekommt, ob ihr richtig belichtet oder nicht. Schaut aber nicht zu oft nach. Da die Kamera auf einem Stativ sitzt und die Postiton sowie Fokus sich nicht ändern werden, ist es nicht nötig jede Aufnahme zu kontrollieren. Dabei erhöht sich nur die Gefahr das ihr die schönste Rakete verpasst.

    Das Ergebnis
    Und so kann das ganze dann aussehen. Wie schon angedeutet war mein Standort dieses Jahr nicht sehr vorteilhaft, aber zumindest konnte ich 2-3 schöne Aufnahmen vom Feuerwerk machen:

    Kölner Lichter 2010

    Kölner Lichter 2010

    Kölner Lichter 2010

    Kölner Lichter 2010

    Kölner Lichter 2010

    Kölner Lichter 2010

    Kölner Lichter 2010

    Kölner Lichter 2010

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  • 2 Kommentare zu “Feuerwerk fotografieren”

    • Andre on 19. Juli 2010

      hey,
      coooooooole bilder. Wie machst du das Wasserzeichen unter deinen Bildern?

      • Winni on 19. Juli 2010

        Das mache ich mit Photoshop. Ist im Prinzip nur ein weisser Balken, mit einer inversen Text-Maske und dann die Tranzparenz des Layers auf 20-30% runtergedreht.

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