Der Herr @moellus hat mich um eine Kaufempfehlung für ein neues Zoomobjektiv für seine Canon EOS 450D gebeten. Dieser Bitte will ich hiermit nachkommen.
Zoom-Objektive
Zoom-Objektive sind immer so eine Sache. Sie werden nie an die Bildqualität und Genauigkeit einer Festbrennweite rankommen, da die Festbrennweiten halt auf ihre feste Brennweite optimiert sind und so das Maximum an Qualität rausholen können. Bei einem Zoom-Objektiv muss der Hersteller mit viel Geschick versuchen, die Linsen im Inneren so anzuordnen und zu verbauen, dass das Objektiv in jeder Zoomstellung die optimale Leistung bring. Da dies physikalisch nur schwer möglich ist, muss der Hersteller also einen Kompromiss eingehen… zu Gunsten der Zoomfunktion verzichtet er auf etwas Abbildungsleistung der Linse.
Genau aus diesem Grund bin ich persönlich auch sehr wählerisch was Zoom-Objektive angeht. Klar gibt es tolle Linsen wie das Canon EF-S 18-200mm f/3.5-5.6 IS die einen kompletten Brennweitenbereich abdecken (oft auch als Reise-Zoom bezeichnet), doch bedenkt man, dass hier ein 11-facher Zoom im Spiel ist und somit der Hersteller gezwungen ist auf kleinstem Raum die Linsen so anzuordnen, dass sie in jeder Zoomstellung noch gute Bildleistung erbringt ist das mit Sicherheit kein leichtes Unterfangen. Ich bin kein Objektivhersteller und auch kein Physiker, aber mein gesunder Menschenverstand sagt mir, dass der Hersteller hier grosse Einbussen in Sachen Bildqualität eingeht.
Daher hab ich mir eine goldene Regel gesetzt, die ich auch jedem grundsätzlich empfehle wenn er/sie sich ein Zoom-Objektiv zulegen will (und auf die Abbildungsleistung der Linse wert legt): Das Objektiv sollte einen Zoombereicht von max. 3x – 4x nicht überschreiten.
Objektivempfehlung
Jetzt aber mal “Butter bei die Fische”. Welches Objektiv soll der @moellus meiner Meinung nach nehmen? Ich empfehle ganz klar das “Canon EF 70-200 mm f/4L USM“. Es ist das günstigste Objektiv der Canon-L Serie und ist daher die perfekte Kombination aus Preis und Leistung. Neben diesem Objektiv bietet Canon noch 2 weitere Objektive in diesem Brennweitenbereich an. Das: “Canon EF 70-200mm f/2.8/ L IS USM
” und das “Canon EF 70-200mm f/4.0L IS USM
“.
Warum empfehle ich gerade dieses Objektiv? Nun, ich besitze selbst diese Linse und war von Anfang an von der Abbildungsleistung begeistert. Das Objektiv bildet unheimlich scharf ab, verfälscht keine Farben und hat so gut wie keine Abildungsfehler (Kissenbildung, chromatische Aberration, etc.). Der Ring-USM Motor ist super schnell, sehr genau und kaum hörbar. Das Gewicht der Linse ist mit seinen ca. 700g noch im “nehm ich mal schnell mit”-Bereich. Und wie bei allen L-Objektiven ist die Gegenlichtbleden direkt mit dabei. Kurz: das “L” im Produktnamen ist hier mehr als angebracht.
Die Linse funktioniert einwandfrei an jedem Canon EOS Body mit EF-Bajonett (sprich: Vollformat-Sensor (z. B. EOS 5D), APS-H (z. B. EOS 1D) oder APS-C (z. B. EOS 450D)). Durch den Crop-Faktor des APS-C Sensors kommen Benutzer einer solchen Kamera auf einen Brennweitenbereich von ca. 112-320mm. Dies sollte als Zoom-Objektiv mehr als ausreichend sein (wenn man nicht gerade Wildlife- oder Profi-Sportfotograf ist).
Ihr fragt euch jetzt bestimmt “Aber warum nicht eins der anderen beiden Objektive, die haben doch nur Vorteile?”. Nunja, es mag sein das die beiden anderen Objektive der 70-200 Serie “besser” sind- dafür sind sie aber auch um einiges teurer und man muss halt abwegen was man überhaupt mit dem Objektiv vorhat. Hier ist meine persönliche Meinung zu den Features, die die beiden anderen Objektive vermeindlich “besser” machen…
IS vs. non-IS
Ich bin kein Fan von IS. Ich hab ein Objektiv mit IS, doch der IS ist bei mir in 99% der Zeit abgeschaltet. Dafür gibt es folgende Gründe:
- Der IS braucht einiges an Batterieleistung. Dadurch das bei jeder Fokusierung und jeder Auslösung die Gyrosensoren im Objektivinneren arbeiten müssen, ist die Batterie der Kamera um einiges schneller leer als mit abgeschaltetem IS.
- Klar schafft es der IS, bei langen Belichtungszeiten Verwacklungen auszugleichen, aber es schafft auch nicht mehr als einen Ausgleich. Eine 100% verwacklungsfreie Aufnahme kann auch der IS nicht gewährleisten.
- Der Belichtungszeit-Bereich in dem der IS wirklich sinnvoll ist ist sehr klein. Fotografiert man im 1/50 Bereich, kann man es (vorausgesetzt man hat eine ruhige Hand) durchaus noch schaffen, die Aufnahme ohne Verwacklung zu machen. Dafür brauche ich keinen IS. Und muss ich in Belichtungszeitbereiche von <1/2 oder länger gehen, dann hilft auch der IS nicht mehr.
- Der IS ist teuer.
- Das Ausgeleichgeräusch der Gyrosensoren kann störend sein. Gerade wenn man in freier Natur ist und sich an ein Wildtier angepirscht hat, möchte man das Tier nicht durch unnötige Geräusche verschrecken. Oder als 2. Beispiel… man fotografiert auf einer Hochzeit oder Taufe- dort will man in der Kirche jedes Geräusch vermeiden das nicht unbedingt notwendig ist. Auch wenn der IS nicht sehr laut ist, ich empfinde das Geräusch als durchaus störend.
Aus diesen Gründen schalte ich lieber die ISO Geschwindigkeit meiner Kamera um ein paar Stufen höher und schalte dafür dann die Belichtungszeit kürzer. Dazu kommt dann noch der Preis… für das gleiche Objektiv bezahle ich ca. 450,- EUR mehr, nur damit ich IS habe und das ist es mir persönlich auf keinen Fall wert.
f/4 vs. f/2.8
Die Entscheidung ob man f/4 oder f/2.8 als grösste Blende haben möchte, kommt ganz klar auf das Einsatzgebiet an, für das man die Linse hauptsächlich nutzen möchte, denn der einzige Unterschied zwischen den zwei Objektivvarianten ist preislicher Natur (ca. 550,- EUR vs. ca. 1.600,- EUR). In Sachen Bildqualität tut sich zw. den Beiden nicht wirklich etwas (ich hab in meinen Tests sogar festgestellt, dass ab f/5.6 das f/4er Objektiv sogar besser performt). Man muss also für sich selbst entscheiden, ob einem das mehr an Licht knappe 1.000 EUR wert ist. Falls ja, macht man mit dem f/2.8 keinen Fehler (denkt aber dran, dass der f/2.8er mehr Gewicht auf die Waage bringt).
Lass mal sehen!
Da Bilder ja bekanntlich mehr sagen als 1000 Worte, hab’ ich für diesen Artikel noch schnell ein paar Testaufnahmen gemacht, um zu untermalen, wie überragend die Bildqualität des EF 70-200mm f/4L USM ist. Zum Vergleich habe ich das selbe Motiv jeweils noch mit einer Canon Festbrennweite (Canon EF 85mm f/1.8 USM) und einem anderen Canon L-Objektiv (Canon EF 24-70mm f/2.8L USM
) aufgenommen. Die Aufnahmen sind jeweils mit einer Brennweite von 70mm (bzw. 85mm) gemacht worden. Die Blende war dabei auf f/5.6 gestellt, die Verschlusszeit betrug 1/200, die ISO Geschwindigkeit 200. Geblitzt wurde jeweils von vorne sowie der linken Seite. Beide Blitze hatten einen Diffusor aufgesetzt und waren um 1.5EV nach oben korregiert.
Zuerst die Aufnahme mit dem EF 85mm f/1.8 USM als Referenzaufnahme:

Hier die Aufnahme mit dem EF 70-200mm f/4L USM:

Und zum Vergleich noch die Aufnahme mit dem EF 24-70mm f/2.8L USM:

Wie man unschwer in den Zoombildchen erkennen kann, hat die Festbrennweite ganz klar die Nase vorne- was aber ja auch nicht anders zu erwarten war. Leicht erkennbar ist aber auch, dass das EF 70-200mm f/4L USM ebenfalls sehr scharf abbildet. Die Farben sind klar und frisch. Der Vergleich mit den Aufnahmen der EF 24-70mm f/2.8L USM Linse (die Preislich auf keinen Fall mit der 70-200er Linse mithalten kann) unterstreicht das ganze meiner Meinung nach nochmal. Die Eckbereiche bei der letzen Aufnahme sind leicht unscharf und zeigen leichte (wenn auch nur sehr gering) chromatische Aberration. Ebenfalls ist das weiss nicht so strahlend weiss wie das der 70-200er Aufnahmen.
Fazit
Wie schon gesagt… das EF 70-200mm f/4L USM ist ein grossartiges Objektiv. Es glänzt sowohl in Sachen Bildqualität, Ausstattung als auch im Preis. Ich bin auf jeden Fall mehr als zufrieden mit dem Objektiv und kann es euch wärmstens ans Herz legen. Wenn ihr etwas auf eure Portokasse achten müsst, aber dabei nicht auf Bildqualität, Genauigkeit und Geschwindigkeit verzichten wollt, ist diese Linse genau das richtige für euch.
PS: @moellus: Ich hoffe dieser kleine Testbericht war auch etwas hilfreich für Dich.



















Rainer on 2. Januar 2012
Deutlich größeres Einsatzgebiet, seit ich mit meiner D5 Mark II fotografiere.
Mit einer Crop Kamera ist die Linse 70-200 in den 4 Wänden sehr eingeschränkt.
Ansonsten unterstreiche ich den Bericht in allen Facetten!!
Gruss und Happy New Year!
Phil G on 8. März 2010
Ist teilweise total unrichtig, was Du da schreibst. Wenn Du die beiden Objektive (f4 und f2.8) schon vergleichen willst, dann guck dir wenigstens beide non-is Varianten an! Da ist der preisliche Unterschied nämlich nicht so hoch: 600 vs. 1000 Euro. Das ist schon was ganz anderes.
Und Deine Ausführen zum is sind auch nicht wirklich nachvollziehbar. Der is ist doch grade dafür da in den kritischen Bereichen von ca. 1/40-1/80 einzugreifen, drüber hinaus ist er sicherlich auch nicht von Nachteil. Und Deine Aussage, dass der is die Verwacklungen nur ausgleicht….ja klar macht er das aber grade dadurch kann er ja eine verwacklungsfreie Aufnahme ermöglichen, grade in den Bereichen 1/40-1/80 ist das sehr sinnvoll. Natürlich muss jeder selbst entscheiden, ob er Sowas braucht. Ist eben auch eine ganze Ecke teurer aber es kann sich unter Umständen lohnen, zB wenn man vorwiegend in low-light-Situationen arbeitet.
Jedenfalls solltest Du dich bei deinem nächsten Review etwas besser über das Thema informieren, bevor Du hier teils falsche Aussagen von dir gibst.
Winni on 8. März 2010
Hi Phil,
danke fuer Deinen Kommentar. Schade das Du den Artikel scheinbar nicht ganz gelesen hast oder nicht richtig verstanden hast.
a) Ich habe das IS Objektiv in keinem Stueck schlecht gemacht. Ich hab’ lediglich Gruende aufgefuehrt warum ICH kein Fan von IS Objektiven bin. Ich hab’ selbst IS Objektive und der IS hat definitiv seine Berechtigung, aber wie ich oben aufgefuehrt habe, muss man fuer sich selbst entscheiden, ob sich die Mehrkosten fuer den IS wirklich auszahlen.
b) 600 vs. 1000 EUR sind immernoch 400,- EUR Unterschied. Und auch hier habe ich nur meine persoenliche Empfehlung/Denkansaetze gegeben. Jeder muss fuer sich selbst entscheiden ob man das Mehr an Lichtstaerke braucht. Ich schreibe ja nicht umsonst, das beide Versionen des Objektivs exellent sind- da diese Anfrage aber speziell fuer eine “kleine Portokasse” angefragt war, habe ich hier meine Sicht der Vorteile des f/4 vorgestellt. Ich hab’ das f/2.8 (egal ob IS oder non-IS) in keiner Form schlecht gemacht.
Dennoch vielen Dank fuer Deine Meinung… Bzgl. der “Falschaussagen” die ich gemacht haben soll, waere ich Dankbar fuer einen Hinweis, welche falschen Aussagen ich getroffen habe. Und bzgl. des “zum Thema informieren”- vielen Dank fuer den Hinweis, aber ich denke ich habe ueber die letzten 12 Jahre genug Informationen zum Thema gesammelt.
Marcel on 12. November 2009
Hi,
ich möchte Dir erstmal für diesen sehr guten Review danken. Es hat mich in der richtigen Kaufentscheidung bestärkt. Ich besitze jetzt das gleiche Objektiv knapp eine Woche und bin total begeistert.
Ich werde am Wochenende erst richtig dazu kommen alle Bildqualiäten des Objektives zu testen.
Viele Grüße…
Winni on 12. November 2009
Hi Marcel,
freut mich das Dir der Beitrag geholfen hat- wenn es ein paar Testfotos gibt sind die gerne willkommen
Winni
Canon EF 70-200 mm / 1:2,8 L USM Objektiv - Canon - Gimahhot on 3. November 2009
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Ulrich on 31. Oktober 2009
Guter Beitrag, nachvollziehbar dargestellt. Ich kann Dein Fazit vollumfänglich unterschreiben.
Ich stelle bei mir selbst fest, daß ich öfter zum 85er als zum 70-200 greife. Die Fälle, wo es mal 200mm oder mehr sein müssen, sind bei mir so selten, daß alles darunter auch per Bildausschnitt von 85mm erreichbar ist. Aber das kommt, wie Du ja auch schreibst, sehr darauf an, welche Photos man macht.
Winni on 31. Oktober 2009
Danke Ulrich. Mir gehts da aehnlich wie Dir. Ich hab’ auch oefters das 50er oder 85er drauf als das 70-200er.
Vielen Dank fuer Dein Feedback!